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Was ist eine Kompaktkamera? Die Point-and-Shoot von 1977 bis 2026: zweimal gestorben, einmal zurückgekehrt

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KI-gestützte Übersetzung und Bearbeitung: Caddy (AI)

Diesen Artikel gibt es auch in folgenden Sprachen: 繁體中文 · English · 日本語 · 한국어 · Bahasa Indonesia · Bahasa Melayu · ไทย · Português (Brasil) · Español · Türkçe · Tiếng Việt · हिन्दी

Inhaltsverzeichnis (37)

Eine Kompaktkamera ist eine kleine Kamera mit Autofokus, Belichtungsautomatik und eingebautem Blitz, mit der man einfach abdrückt. Auf Englisch heißt sie point-and-shoot (auch compact camera), in Hongkong meist kurz „傻瓜機“. Sie verlangt keine Kenntnisse über Blende und Verschlusszeit und unterscheidet sich sowohl von der Einwegkamera, die man nach dem Fotografieren komplett beim Fotolabor abgibt, als auch von der Sofortbildkamera, die das Bild direkt ausgibt.

Diese Kameragattung hat weltweit zwei Verkaufsgipfel erlebt und ist zweimal gestorben. Analoge Kompaktkameras wurden 1997 in einem Jahr 32,52 Millionen Mal ausgeliefert, 2006 waren es noch 1,40 Millionen. Digitale Kompaktkameras kamen 2008 auf 110,07 Millionen Stück in einem Jahr, 2023 auf nur noch 1,72 Millionen. Seit 2024 ist sie zurück: 2025 wurden 2,44 Millionen Stück ausgeliefert, fast 30 % mehr als im Vorjahr, und der durchschnittliche Auslieferungspreis liegt bei fast dem Siebenfachen des Tiefstands.

Dieser Artikel verbindet die Auslieferungsstatistik der CIPA (Camera & Imaging Products Association), des Branchenverbands der japanischen Kamerahersteller, seit 1977 zu einer durchgehenden Zeitreihe für Film und Digital und beantwortet vier Fragen:

  • Wo verläuft die Grenze der Kompaktkamera, und wie heißt sie in verschiedenen Ländern?
  • Wann begann die analoge Kompaktkamera, wann erreichte sie ihren Höhepunkt, und wie verschwand sie?
  • In welchem Jahr lag der Höhepunkt der digitalen Kompaktkamera wirklich, und wie wurde sie vom Smartphone abgelöst?
  • Ist die Erholung seit 2024 echt oder eine Täuschung, und was genau ist zurückgekommen?

Alle Zahlen sind mit Quelle und Abgrenzung angegeben. Was ich nicht herausfinden konnte, steht gesondert am Ende und wird nicht durch Schätzungen ersetzt.

Liniendiagramm „Zwei Gipfel“: Die waagerechte Achse reicht von 1977 bis 2025, die senkrechte zeigt die weltweiten Auslieferungen pro Jahr in Millionen Stück. Die gelbe Linie der analogen Kompaktkameras steigt von 3,19 Millionen im Jahr 1977 auf den Höchststand von 32,52 Millionen im Jahr 1997 und fällt bis 2006 auf 1,40 Millionen; die blaue Linie der digitalen Kompaktkameras startet 1999, erreicht 2008 den Höchststand von 110 Millionen, fällt 2023 auf 1,72 Millionen und erholt sich 2025 auf 2,44 Millionen, nur 2 % des Höchststands.
Die zwei Gipfel sind auf einen Blick zu sehen: Der digitale ist mehr als dreimal so hoch wie der analoge und ist auch gründlicher eingebrochen; die Erholung seit 2024 unten rechts ist im Gesamtverlauf kaum zu erkennen. Die gelbe Linie endet 2006, weil die CIPA Kameras mit Zentralverschluss ab 2007 nicht mehr gesondert erfasst; die blaue beginnt 1999, dem Startjahr der CIPA-Statistik nach Digitalkameratypen. Quelle: Grafik dieser Website auf Basis der historischen CIPA-Statistiken zu Film- und Digitalkameras.

1. Was ist eine Kompaktkamera: Definition und Abgrenzung

Dreimal „automatisch“ plus ein Blitz

Die englische Wikipedia definiert die point-and-shoot als Film- oder Digitalkamera, deren Gestaltung vor allem auf einfache Bedienung zielt; sie hat meist Autofokus (oder gar keinen Fokus, weil das Objektiv fix scharf gestellt ist), Belichtungsautomatik und einen eingebauten Blitz. Die chinesische Wikipedia formuliert es noch direkter: eine kleine, vollautomatische Kamera für Laien, deren chinesischer Name 傻瓜相機 wörtlich bedeutet, dass „sogar ein Dummkopf sie bedienen kann“.

In der Sprache der Nutzer übernimmt die Kompaktkamera drei Dinge:

  • Die Kompaktkamera stellt selbst scharf, man muss keinen Fokusring drehen.
  • Die Kompaktkamera wählt Blende und Verschlusszeit selbst, man braucht keinen Belichtungsmesser.
  • Die Kompaktkamera zündet bei wenig Licht selbst den Blitz, man muss kein eigenes Licht mitnehmen.

Übrig bleiben nur der Bildausschnitt und das Auslösen. Das Objektiv ist meist fest am Gehäuse und nicht wechselbar, und die Kamera passt in die Tasche. Diese beiden Punkte trennen sie von Spiegelreflex- und spiegellosen Kameras, also den Systemkameras mit Wechselobjektiv.

Vorderansicht der digitalen Kompaktkamera Canon PowerShot G7 X Mark III mit schwarzem Gehäuse; auf dem Objektivring stehen CANON ZOOM LENS 4.2x IS und 8.8–36.8mm 1:1.8–2.8. Aufgenommen 2026.
So sieht eine digitale Kompaktkamera heute aus: die Canon PowerShot G7 X Mark III. Das Objektiv ist fest eingebaut und nicht wechselbar, die ganze Kamera passt in die Jackentasche, man schaltet ein und drückt ab. Sie ist seit 2024 das begehrteste Modell; Kapitel 4 kommt darauf zurück. Bildquelle: Strubbl, CC BY-SA 4.0, Original.

Der Unterschied zu Einweg- und Sofortbildkamera

Die drei Kameratypen werden oft zusammen genannt, weil sie alle „einfach“ sind. Wie das Foto in die Hand kommt, ist aber völlig verschieden:

Merkmal Kompakt Einweg Sofortbild
Mehrfach nutzbar Ja Nein, ganz ans Labor Ja, Filmpack wechseln
Inhalt Film: eigener 135er; digital: Karte 135er ab Werk Sofortbildfilm
Bild sichtbar Film: nach Entwicklung; digital: sofort Nach Entwicklung Nach Sekunden bis Minuten
Beispiele Olympus mju-II, Ricoh GR, Canon PowerShot Fujifilm QuickSnap (写ルンです) Fujifilm instax, Polaroid

Die Tabelle vergleicht, wie die drei Kameratypen benutzt werden, was in ihnen steckt und wann man das Bild sieht; die Beispiele sind typische Produkte des jeweiligen Typs. Genauer: In die analoge Kompaktkamera legt man selbst einen 135er-Film ein, die digitale speichert auf eine Speicherkarte; die Einwegkamera enthält ab Werk eine Rolle 135er-Film und geht komplett ans Labor; bei der Sofortbildkamera wechselt man nur die Filmpackung, und das Bild erscheint nach einigen Dutzend Sekunden bis gut zehn Minuten.

Der Unterschied zwischen Einwegkamera und Kompaktkamera ist, dass „das Gehäuse mit dem Film verbraucht wird“: Die QuickSnap, die Fujifilm 1986 einführte, wird samt Film verkauft und nach dem Fotografieren vom Labor zurückgenommen, während man in eine Kompaktkamera immer wieder selbst Filme einlegt (die Branchengeschichte steht in 40 Jahre Utsurundesu (auf Chinesisch)). Der Unterschied zur Sofortbildkamera ist, dass keine Entwicklung nötig ist: Nach dem Auslösen kommt ein Papierbild heraus.

Wie die drei Typen Bilder liefern, was ein Bild kostet und wie man wählt, vergleicht die Übersicht zur Serie Einwegkamera, Sofortbildkamera und Kompaktkamera im Vergleich (auf Chinesisch).

Vorderansicht einer Kodak-Einwegkamera mit Blitz; die gelb-orange-rote Papierhülle trägt das Kodak-Logo und ein Blitzsymbol, in der Mitte das kleine Fixfokus-Objektiv, links oben der Sucher, rechts oben der Blitz. Aufgenommen 2018.
Einwegkamera: Objektiv, Verschluss, Blitz und eine Rolle Film stecken in einem Plastikgehäuse mit Papierhülle, nach dem Fotografieren geht die ganze Kamera ans Labor. Hier ein Kodak-Modell mit Blitz. Bildquelle: Matthew Paul Argall, CC BY 2.0, Original.
Die Sofortbildkamera Fujifilm instax mini 12 mit hellviolettem Gehäuse, einem großen Drehring um das Objektiv und Blitz und Sucher oben, liegt auf Kiefernnadeln und Zapfen. Aufgenommen 2023.
Sofortbildkamera: die Fujifilm instax mini 12. Nach dem Auslösen schiebt sich das Bild oben aus dem Gehäuse, eine Entwicklung im Labor ist nicht nötig. Bildquelle: Tony Webster, CC BY 2.0, Original.

Die Grenze ist auch unscharf. Die japanische Handelsstatistik von BCN zählt Hybridgeräte wie die Fujifilm instax mini Evo, die digital speichern und zugleich sofort drucken können, zu den kompakten Digitalkameras; 2025 lag diese Serie dort auf Platz 2. Wer eine „Rangliste der Kompaktkameras“ sieht, sollte also zuerst prüfen, was darin gezählt wird.

Japanisch バカチョンカメラ: drei Herleitungen, später ersetzt durch コンパクトカメラ

In Japan hieß die Kompaktkamera früher umgangssprachlich „バカチョンカメラ“. Die japanische Wikipedia nennt drei Herleitungen:

  • Die erste Herleitung: „Sogar ein Dummkopf (バカ) kann sie bedienen.“
  • Die zweite Herleitung: „Man muss nur einmal kurz (チョン) auf den Auslöser drücken.“
  • Die dritte Herleitung: eine lautliche Abwandlung des englischen vacation camera (Urlaubskamera).

Das Wort wurde später zum Problem: „チョン“ wird als abwertende Bezeichnung für Koreaner verstanden, und das ganze Wort wurde als im Rundfunk nicht zu verwendendes Wort eingestuft. Laut japanischer Wikipedia legte NHK um 2008 eine Richtlinie fest, das Wort nicht zu senden, andere Sender folgten; die 3. Auflage des Sanseido-Wörterbuchs der japanischen Sprache (1981) enthielt das Wort, die 7. Auflage (2011) hat es gestrichen. Das Wörterbuchportal Weblio vermerkt, dass das Wort allgemein bis Anfang der 1980er-Jahre verwendet und danach wegen seiner diskriminierenden Bedeutung freiwillig gemieden wurde. Die offizielle Bezeichnung ist „コンパクトカメラ“ (Kompaktkamera).

Wer das Wort in japanischen Quellen oder im Gespräch auf Japanisch braucht, verwendet heute コンパクトカメラ.

Englisch point-and-shoot: Briten meinen Automatik, Amerikaner das kleine Format

Die englische Wikipedia weist auf einen kleinen Unterschied zwischen britischem und amerikanischem Gebrauch hin: Briten meinen mit point-and-shoot eher die „Vollautomatik“, Amerikaner eher das „kleine Gehäuse“, unabhängig davon, wie viel automatisiert ist. Eine hochwertige kleine Kamera, bei der man die Blende manuell einstellen kann, wird in den USA deshalb oft ebenfalls point-and-shoot genannt.

Wie sie in anderen Ländern heißt: vom „Dummkopf“ bis zur „Seifendose“

Im Deutschen ist Kompaktkamera die übliche Bezeichnung, im Handel ebenso wie in der Fachsprache. Umgangssprachlich hört man auch Knipse, abgeleitet von knipsen (klick, schnell mal ein Bild machen); das deutsche Wörterbuch DWDS führt Knipse allerdings als allgemeines Wort für Kamera, nicht speziell für kleine Kameras.

Andere Sprachen benennen dieselbe Kamera aus ganz anderen Blickwinkeln. Die folgende Tabelle beruht auf den Wikipedias der jeweiligen Sprachen sowie auf örtlichen Wörterbüchern und dem Sprachgebrauch im Handel und nennt jeweils die gebräuchlichste Bezeichnung:

Sprache/Region Bezeichnung Wörtlich
Deutsch Kompaktkamera kleine Kamera
Taiwan 傻瓜相機 Dummkopf-Kamera
Hongkong 傻瓜機 Kurzform
Festlandchina 卡片機 Kartenkamera
Japan コンパクトカメラ kleine Kamera
Japan (digital) コンデジ Kurzform
Korea 똑딱이 „Klick“
Englisch point-and-shoot zielen und abdrücken
Spanisch cámara compacta kleine Kamera
Portugiesisch (Brasilien) câmera compacta kleine Kamera
Russisch мыльница Seifendose
Indonesisch kamera saku Taschenkamera
Vietnamesisch máy ảnh du lịch Reisekamera

Die Tabelle zeigt 13 Bezeichnungen, die deutsche steht oben. Die drei chinesischen Zeilen gehören zusammen: 傻瓜 heißt „Dummkopf“, gemeint ist eine Kamera, die „sogar ein Dummkopf bedienen kann“; 傻瓜機 ist die Kurzform von 傻瓜相機; 卡片機 heißt so, weil das Gehäuse flach wie eine Karte ist, und bezeichnet speziell kleine Digitalkameras. コンデジ ist die Kurzform für kompakte Digitalkamera, das koreanische 똑딱이 ist Lautmalerei für „klick“.

An der Tabelle lassen sich vier Arten der Namensgebung ablesen:

  • Den Nutzer als ahnungslos hinstellen: das chinesische 傻瓜 und das alte japanische バカチョン betonen, dass auch Menschen ohne Kamerakenntnisse sie bedienen können.
  • Die Handlung beschreiben: das englische point-and-shoot, im Spanischen und brasilianischen Portugiesisch auch die direkten Übersetzungen cámara de apuntar y disparar und câmera aponte-e-dispare, alle mit der Bedeutung „zielen und abdrücken“.
  • Den Klang nachahmen: In Korea heißt sie 똑딱이, eine Lautmalerei für das „Klick“ des Auslösers; auch das deutsche umgangssprachliche Knipse kommt von knipsen, wobei deutsche Wörterbücher es als allgemeines Wort für Kamera führen, nicht speziell für kleine Kameras.
  • Form oder Zweck beschreiben: Auf Russisch heißt sie мыльница (Seifendose), weil das rundliche Plastikgehäuse an eine Seifendose erinnert; in Festlandchina heißen kleine Digitalkameras 卡片機 (Kartenkamera); das indonesische kamera saku und das vietnamesische máy ảnh bỏ túi bedeuten „Taschenkamera“, und eine weitere gängige vietnamesische Bezeichnung, máy ảnh du lịch, bedeutet „Reisekamera“.

Die meisten anderen Sprachen übernehmen „compact“ direkt als Übersetzung oder Lehnwort: Auf Thai heißt sie กล้องคอมแพค (auch กล้องกะทัดรัด), auf Malaiisch kamera kompak, auf Türkisch kompakt fotoğraf makinesi; eine eigene Umgangsbezeichnung habe ich für diese drei Sprachen nicht gefunden. Selbst innerhalb des Chinesischen gibt es Unterschiede: In Taiwan sagt man 傻瓜相機, in Hongkong meist kurz 傻瓜機, und in Festlandchina heißen kleine Digitalkameras umgangssprachlich 卡片機. Das spanische cámara compacta und das brasilianische câmera compacta bedeuten wie das deutsche Kompaktkamera schlicht „kleine Kamera“; im Vietnamesischen ist auch máy ảnh compact gebräuchlich.

Woher die Zahlen stammen: wer die CIPA ist und welche zwei Kategorien sie nutzt

Fast alle Auslieferungszahlen in diesem Artikel stammen von der CIPA (Camera & Imaging Products Association). Sie ist der Branchenverband der japanischen Kamerahersteller; ihr Vorgänger, der Verband der japanischen Kameraindustrie, wurde 1954 gegründet und 2002 zur heutigen CIPA umgebildet. Zu den ordentlichen Mitgliedern gehören Kamerahersteller wie Canon, Nikon, Sony, Fujifilm, Panasonic, OM Digital Solutions (die frühere Kamerasparte von Olympus) und Ricoh Imaging (Pentax, GR). Die Mitglieder melden ihr monatlich die ausgelieferten Stückzahlen, die CIPA fasst sie zu einer öffentlichen Statistik zusammen und veröffentlicht um den 1. jedes Monats die Zahlen von vor zwei Monaten.

Die CIPA-Zahlen kann man also als „weltweite Auslieferungen japanischer Kameramarken“ lesen. Zwei Einschränkungen sollte man kennen:

  • Die CIPA zählt Auslieferungen ab Werk, nicht Verkäufe im Laden; nachdem der Hersteller an den Handel geliefert hat, dauert es noch eine Weile, bis die Geräte verkauft sind.
  • Gezählt werden nur die teilnehmenden Hersteller. 2026 nehmen neun Firmen an der Digitalkamerastatistik teil: Canon, Nikon, Sony, Fujifilm, Panasonic, OM Digital Solutions, Ricoh Imaging, Sigma und Kenko Tokina. Leica sowie die PixPro-Kameras unter der Marke Kodak (in Lizenz hergestellt von JK Imaging in den USA) sind in den CIPA-Zahlen nicht enthalten.

Eine Kategorie „Kompaktkamera“ im Sinne von point-and-shoot gibt es bei der CIPA nicht. Dieser Artikel nutzt die zwei am besten passenden Kategorien:

  • Für die Filmzeit die „Kamera mit Zentralverschluss“ (japanisch レンズシャッター). Der Verschluss einer Kamera kann an zwei Stellen sitzen: Die Spiegelreflexkamera hat ihn im Gehäuse direkt vor dem Film, die kleine Kamera dagegen zwischen den Linsen des Objektivs, das ist der Zentralverschluss. Fast alle kleinen Filmkameras haben einen Zentralverschluss, deshalb ordnet die CIPA-Kategorienbeschreibung diese Klasse direkt der üblichen Kompaktkamera (コンパクトカメラ) zu, Halbformatkameras eingeschlossen. Diese Kategorie wurde bis 2006 erfasst und ab 2007 nicht mehr gesondert ausgewiesen.
  • Für die Digitalzeit die „Kamera mit fest eingebautem Objektiv“ (japanisch レンズ一体型), also Digitalkameras, bei denen Objektiv und Gehäuse eine Einheit bilden und das Objektiv nicht gewechselt werden kann; das Gegenstück sind Spiegelreflex- und spiegellose Kameras mit Wechselobjektiv. Dieser Artikel nennt sie manchmal kurz „Kamera mit festem Objektiv“.

Wichtig: Nicht jede digitale Kamera mit festem Objektiv ist eine Kompaktkamera im Sinne von point-and-shoot. Die Kategorie umfasst auch Vollformat-Festbrennweiten wie die Sony RX1R III für mehr als 5.000 US-Dollar und Superzoom-Kameras wie die Nikon Coolpix P1100. Die folgenden Zahlen sind daher eine „Obergrenze für Kompaktkameras“, keine exakte Zahl. In den Mengen der Jahre 1999 bis 2012 sind die hochpreisigen Modelle aber nur ein Bruchteil, für den Trend reicht es.

2. Die analoge Kompaktkamera: 1977 kommt der Autofokus, 1997 werden 32,52 Millionen ausgeliefert

Zeitleiste der Schlüsselmodelle: von „nie mehr unscharf“ zum „guten Objektiv in der Tasche“

Jahr Modell Bedeutung
Nov. 1977 Konica C35 AF (ジャスピンコニカ) Weltweit erste in Serie gefertigte Autofokuskamera, mit dem Visitronic-Autofokusmodul von Honeywell und 38-mm-f/2,8-Objektiv
1979 Olympus XA Messsucherkamera mit Schiebeabdeckung, so klein, dass sie in die Tasche passt, entworfen von Yoshihisa Maitani
Nov. 1979 Canon AF35M (USA: Sure Shot, Japan: Autoboy) Weltweit erste 35-mm-Kamera mit Zentralverschluss und aktivem Infrarot-Autofokus, japanischer Listenpreis 42.800 Yen
1990 oder 1991 Contax T2 Carl Zeiss Sonnar 38 mm f/2,8, Inbegriff der hochwertigen Kompaktkamera; Erscheinungsjahr je nach Quelle verschieden, 2002 eingestellt
1993 Nikon 35Ti Nikkor 35 mm f/2,8
1996 Ricoh GR1 GR 28 mm f/2,8; 2005 als GR Digital digitalisiert, Beginn der heutigen GR-Serie
1997 Olympus mju-II (USA: Stylus Epic) 35 mm f/2,8, rund 3,8 Millionen Stück gefertigt
2001 Contax T3 Japanischer Listenpreis 98.000 Yen; Kyocera beendete im März 2005 die Kameraproduktion

Die Zeitleiste fasst die Modelle zusammen, die die analoge Kompaktkamera geprägt haben; Preise sind japanische Listenpreise zur Markteinführung.

Die Zeitleiste zerfällt in zwei Abschnitte. Von 1977 bis 1979 ging es um die „Schärfe“: Der japanische Spitzname der Konica C35 AF, ジャスピン, bedeutet „genau scharf“, laut englischer Wikipedia wurden rund 1 Million Stück verkauft; zwei Jahre später machte die Canon AF35M mit Infrarot-Entfernungsmessung den Autofokus zur Standardausstattung der Kompaktkamera. In den 1990er-Jahren ging es in eine andere Richtung: Contax T2, Nikon 35Ti und Ricoh GR1 brachten hochwertige Festbrennweiten in kleine Gehäuse, und aus der „Kamera, mit der nichts schiefgeht“ wurde die „gute Kamera für die Tasche“. Diese Modelle sind heute auch die teuersten auf dem Gebrauchtmarkt.

Vorderansicht der Konica C35 AF: schwarzes Gehäuse, auf dem Objektivring steht Konica Hexanon 38mm F2.8, links ein AF-Logo, rechts oben der ausgeklappte eingebaute Blitz, weißer Hintergrund.
Die Konica C35 AF kam im November 1977 auf den Markt, die weltweit erste in Serie gefertigte Autofokuskamera, in Japan „ジャスピンコニカ“ genannt. Auf dem Foto sind ihre beiden Merkmale zu sehen: das AF-Logo links neben dem Objektiv und der eingebaute Blitz rechts oben. Bildquelle: John Nuttall, CC BY 2.0, Original.
Vorderansicht der Canon AF35M: schwarzes Gehäuse, auf dem Objektivring steht Canon Lens 38mm 1:2.8, über dem Objektiv eine Reihe kleiner Fenster mit den Aufschriften AUTO FOCUS und CAFS, rechts unten der Hebel für Selbstauslöser und Fokusspeicher.
Die Canon AF35M (in den USA Sure Shot, in Japan Autoboy) kam im November 1979 auf den Markt und nutzt aktiven Infrarot-Autofokus; die Reihe kleiner Fenster über dem Objektiv besteht neben dem Sucher aus Sende- und Empfangsfenster der Infrarot-Entfernungsmessung. Die Kamera auf dem Foto hat die Mutter des Fotografen um 1980 gekauft. Bildquelle: E Magnuson, CC BY 2.0, Original.
Seite der AF35M im Canon Camera Museum: Die Kategorie lautet Film Cameras, 35mm Lens-Shutter Camera; als Modellnamen sind AF35M (Autoboy) für Japan, Sure Shot für Amerika und AF35M für Europa und Asien angegeben; in den Daten stehen Marketed November 1979 und Original Price 42,800 yen; der erste Satz der Beschreibung lautet „This was the world’s first Lens-Shutter 35mm autofocus camera at the time“, außerdem wird die Triangulation mit einer Nahinfrarot-Leuchtdiode (IRED) erwähnt.
Die Seite in Canons eigenem Kameramuseum bestätigt drei Angaben aus der AF35M-Zeile der Tabelle oben: Markteinführung im November 1979, japanischer Listenpreis 42.800 Yen, damals weltweit erste 35-mm-Kamera mit Zentralverschluss und Autofokus. Bildquelle: Screenshot der AF35M-Seite im Canon Camera Museum (aufgenommen am 25. September 2026, nur Modellname, Markteinführung, Preis und erster Absatz der Beschreibung), Originalseite
Vorderansicht der Ricoh GR1: kleine Filmkamera mit schwarzem Gehäuse, auf dem Objektivring steht GR LENS 1:2.8 28mm, rechts unten am Gehäuse GR1, davor hängt ein schwarzer Trageriemen mit rotem GR1-Schriftzug.
Die Ricoh GR1 kam 1996 auf den Markt, mit GR-28-mm-f/2,8-Festbrennweite; 2005 wurde sie als GR Digital digitalisiert, mit ihr beginnt die heutige GR-Serie. Bildquelle: Zebrio (Brian Scott Peterson), CC BY-SA 2.0, Original.

CIPA-Auslieferungen: Kompaktkameras erobern neun Zehntel des Filmkameramarkts

Jahr Mio.
Stück
Anteil an
Film
Ø-Preis
(Yen)
1977 3,191 35 % 15.600
1979 4,549 34 % 15.400
1981 6,565 39 % 15.400
1983 9,625 59 % 15.200
1985 13,468 67 % 14.400
1987 18,101 80 % 12.100
1990 24,196 85 % 10.600
1993 23,982 90 % 9.200
1995 26,133 88 % 7.900
1997 32,516 89 % 8.100
1998 31,654 88 % 8.600
2000 27,483 87 % 7.200
2001 23,928 87 % 6.600
2002 20,236 86 % 6.300
2003 13,931 85 % 5.300
2004 8,871 88 % 3.700
2005 4,829 90 % 2.900
2006 1,401 86 % 2.900

Die Auslieferungen sind die weltweit ausgelieferten Stückzahlen der CIPA-Kategorie „Kamera mit Zentralverschluss“ (analoge Kompaktkamera) in Millionen; „Anteil an Film“ ist ihr Anteil an allen ausgelieferten Filmkameras. Quelle ist die historische CIPA-Statistik für Filmkameras; den durchschnittlichen Auslieferungspreis hat diese Website aus Auslieferungswert geteilt durch Stückzahl berechnet. Es ist der Abgabepreis der Hersteller, nicht der Ladenpreis.

Die Tabelle zeigt drei Dinge:

  • Der Autofokus ließ die Kompaktkamera den ganzen Filmkameramarkt erobern: 1977 machten Kameras mit Zentralverschluss nur 35 % aller ausgelieferten Filmkameras aus, 1987 schon 80 %, und in den 1990er-Jahren blieb der Anteil um 90 %.
  • Je mehr Kompaktkameras verkauft wurden, desto billiger wurden sie: Der durchschnittliche Auslieferungspreis fiel von 15.600 Yen im Jahr 1977 auf 8.100 Yen im Jahr 1997; in zwanzig Jahren wurde aus einem Produkt der mittleren Preisklasse ein Massenprodukt.
  • Die 32,52 Millionen Stück von 1997 sind der Gipfel der gesamten Kurve der analogen Kompaktkamera, dieses Niveau wurde nie wieder erreicht.

Der erste Tod: 1997 bis 2006, minus 96 % in neun Jahren

Nach 1997 schrumpfte die analoge Kompaktkamera jedes Jahr, ab 2003 immer schneller: 2003 waren es 13,93 Millionen Stück, 2004 8,87 Millionen, 2005 4,83 Millionen und 2006 nur noch 1,40 Millionen, 4,3 % des Höchststands. Ab 2007 wies die CIPA Kameras mit Zentralverschluss nicht mehr gesondert aus; alle Filmkameras zusammen kamen 2007 nur noch auf 0,79 Millionen Stück.

Dieser Absturz fällt genau mit dem Aufstieg der Digitalkamera zusammen. Legt man die beiden CIPA-Tabellen nebeneinander, gab es 2001 noch 23,93 Millionen analoge Kompaktkameras und 14,75 Millionen digitale Kameras mit festem Objektiv; 2002 kamen digitale Kameras mit festem Objektiv auf 24,55 Millionen und lagen damit erstmals vor den 20,24 Millionen analogen Kompaktkameras. 2002 ist das Jahr, in dem die Kompaktkamera den Staffelstab vom Film an die Digitaltechnik übergab.

Wie schnell die analoge Kompaktkamera starb, zeigt der Vergleich mit dem späteren Absturz der digitalen: Neun Jahre nach dem Höchststand 2008 lagen digitale Kameras mit festem Objektiv 2017 noch bei 12 %; analoge Kompaktkameras lagen neun Jahre nach dem Höchststand 1997 nur noch bei 4 %.

3. Die digitale Kompaktkamera: 110 Millionen im Jahr 2008, dann der Fall auf 1,72 Millionen

CIPA-Auslieferungen von Digitalkameras mit festem Objektiv (1999–2025)

Jahr Mio.
Stück
Änderung Ø-Preis
(Yen)
1999 5,088 — 44.800
2000 10,342 +103,3 % 42.300
2001 14,753 +42,7 % 37.000
2002 24,551 +66,4 % 32.500
2003 42,563 +73,4 % 26.800
2004 57,290 +34,6 % 23.700
2005 60,975 +6,4 % 21.300
2006 73,717 +20,9 % 19.500
2007 92,899 +26,0 % 17.400
2008 110,070 +18,5 % 14.900
2009 95,953 -12,8 % 12.100
2010 108,576 +13,2 % 10.500
2011 99,830 -8,1 % 9.200
2012 77,982 -21,9 % 9.200
2013 45,708 -41,4 % 10.700
2014 29,595 -35,3 % 12.100
2015 22,341 -24,5 % 13.700
2016 12,582 -43,7 % 15.200
2017 13,303 +5,7 % 16.100
2018 8,664 -34,9 % 18.400
2019 6,755 -22,0 % 19.300
2020 3,579 -47,0 % 21.300
2021 3,013 -15,8 % 24.300
2022 2,085 -30,8 % 34.100
2023 1,722 -17,4 % 44.900
2024 1,880 +9,2 % 54.100
2025 2,437 +29,6 % 62.200

Die Auslieferungen sind die weltweit ausgelieferten Stückzahlen der CIPA-Kategorie „Digitalkamera mit fest eingebautem Objektiv“ in Millionen. Stückzahlen und durchschnittliche Auslieferungspreise sind von der CIPA veröffentlichte Werte (der Preis ist im Original in tausend Yen angegeben, von dieser Website in Yen umgerechnet); die Änderung gegenüber dem Vorjahr hat diese Website aus den Stückzahlen berechnet.

Die Tabelle lässt sich in vier Phasen lesen:

  • 1999 bis 2008, der Aufstieg: Die Auslieferungen wuchsen auf das 21-Fache von 1999, der Durchschnittspreis fiel von 44.800 auf 14.900 Yen, und die kleine Digitalkamera wurde für jeden erschwinglich.
  • 2009 bis 2012, das Plateau: Die Auslieferungen schwankten um 100 Millionen Stück, der Durchschnittspreis erreichte 2011 bis 2012 mit 9.200 Yen seinen Tiefstand.
  • 2013 bis 2023, der Absturz: In elf Jahren gab es zehnmal ein Minus, die Auslieferungen fielen von 77,98 Millionen auf 1,72 Millionen Stück.
  • Ab 2024, die Erholung: Die Auslieferungen kamen leicht zurück, der Durchschnittspreis stieg immer weiter.
Zeile „レンズ一体型“ (Kamera mit fest eingebautem Objektiv) aus der CIPA-Tabelle „デジタルカメラの総出荷(タイプ別)“, aufgeteilt in die Abschnitte 1999 bis 2011 und 2012 bis 2025: Auslieferungen in tausend Stück, 2008 110.070, 2013 45.708, 2023 1.722, 2025 2.437; Durchschnittspreis in tausend Yen, 2011 und 2012 jeweils 9,2, 2025 62,2. Oben rechts im Tabellenkopf steht „出典:一般社団法人カメラ映像機器工業会“.
Die Originalquelle der Tabelle oben: Auslieferungen (tausend Stück) und Durchschnittspreis (tausend Yen) der Kategorie „Kamera mit fest eingebautem Objektiv“ aus der historischen CIPA-Statistik. Die 110.070 tausend Stück von 2008 sind der Gipfel, die 1.722 tausend Stück von 2023 der Tiefpunkt. Bildquelle: Screenshot aus dem PDF der historischen CIPA-Digitalkamerastatistik (aufgenommen am 25. September 2026, nur Tabellenkopf und die Zeilen Stückzahl und Durchschnittspreis von „レンズ一体型“; im Original steht eine durchgehende Zeile über 27 Jahre, die diese Website in zwei Abschnitte untereinander aufgeteilt hat), Originaldatei
Schrägansicht der Canon Digital IXUS 850 IS: silberne Taschen-Digitalkamera mit Metallgehäuse, auf dem Objektivring steht Canon Zoom Lens 3.8x IS 4.6–17.3mm, oben auf dem Gehäuse Image Stabilizer.
Die Canon Digital IXUS 850 IS ist ein Modell von 2006 mit 3,8-fachem Zoom und optischem Bildstabilisator; das Metallgehäuse passt in die Hemdtasche. Genau solche kleinen Digitalkameras wurden 2008 in einem Jahr 110,07 Millionen Mal ausgeliefert. Bildquelle: D-Kuru, CC BY-SA 3.0 AT, Original.

Der Höhepunkt war 2008, nicht 2010

Viele chinesische und englische Berichte nennen 2010 das Glanzjahr der Kompaktkamera, das ist ungenau. Die CIPA-Pressemitteilung vom Januar 2009 ist eindeutig: 2008 wurden 110,07 Millionen Kameras mit festem Objektiv ausgeliefert, 18,5 % mehr als im Vorjahr. 2010 waren es 108,58 Millionen, rund 1,5 Millionen weniger als 2008.

Den Rekord von 2010 hielt die „Gesamtzahl der Digitalkameras“: Kameras mit festem Objektiv und Kameras mit Wechselobjektiv kamen zusammen auf 121,46 Millionen Stück. Die Kameras mit Wechselobjektiv wuchsen in diesen Jahren noch und schoben die Gesamtzahl über die von 2008, der Gipfel der Kompaktkamera selbst lag aber 2008. Den Rückgang 2009 führte die CIPA auf die weltweite Rezession zurück.

2013: 32,27 Millionen Stück weniger in einem Jahr

2013 wurden 45,71 Millionen Kameras mit festem Objektiv ausgeliefert, 41,4 % weniger als 2012. In ihrer Pressemitteilung vom Februar 2014 beschrieb die CIPA den Rückgang dieser Kategorie in diesem Jahr als „particularly pronounced“ (besonders ausgeprägt).

Genauer gesagt: Prozentual fielen 2016 (-43,7 %) und 2020 (-47,0 %) noch stärker als 2013; in Stückzahlen aber gingen 2013 in einem Jahr 32,27 Millionen verloren, der größte Einjahresverlust der ganzen Kurve. Vom Höchststand 2008 bis 2023 sanken die Auslieferungen der Kameras mit festem Objektiv insgesamt um 98,4 %.

Ersetzt durch das Smartphone: was die CIPA sagt und was andere sagen

Der Beginn des Absturzes der Kameras mit festem Objektiv fällt eng mit der Verbreitung des Smartphones zusammen. Den Satz „das Smartphone hat die Kompaktkamera getötet“ sprach die CIPA aber erst schrittweise aus, deshalb sind die beiden Sichtweisen getrennt darzustellen:

  • In ihrer Pressemitteilung vom Februar 2012 führte die CIPA den Rückgang 2011 auf das Große Ostjapanische Erdbeben und die ab Ende Oktober ausgeweiteten Überschwemmungen in Thailand zurück; Handys kommen im ganzen Text nicht vor.
  • In ihrer Pressemitteilung vom Februar 2014 schrieb die CIPA, dass Einsteigerprodukte wegen des Aufkommens der Smartphones in harter Konkurrenz stehen; in den CIPA-Jahrespressemitteilungen von 2009 bis 2015, die ich gelesen habe, ist das die erste Erwähnung von Handys.
  • In ihrer Pressemitteilung vom Februar 2015 schrieb die CIPA direkt, dass Kameras mit festem Objektiv wegen des Aufkommens der Smartphones in harter Konkurrenz stehen, während Kameras mit Wechselobjektiv sich durch ihre Ausdrucksmöglichkeiten vom Handy abheben und relativ stabil sind.

Externe Daten deuteten früher auf das Handy. Die englische Wikipedia zitiert eine US-Statistik von NPD: Bis November 2011 sank der Anteil der Fotos, die Amerikaner mit Kompaktkameras aufnahmen, von 52 % im Jahr 2010 auf 44 %, der Anteil der Handyfotos stieg von 17 % auf 27 %, und im selben Zeitraum gingen die Verkäufe von Kompaktkameras gegenüber dem Vorjahr um 17 % zurück.

Genauer ist daher: Den Rückgang 2011 führte der Branchenverband damals auf Naturkatastrophen zurück; 2012 war die Produktion nach den Katastrophen wiederhergestellt, die Auslieferungen kamen aber nicht zurück, und 2014 räumte auch die CIPA ein, dass das Handy die strukturelle Ursache ist. Der zweite Tod war keine einmalige Naturkatastrophe, die Nachfrage selbst war abgewandert.

Der Preis klettert vom Tiefpunkt bei 9.200 Yen nach oben

Während die Mengen einbrachen, stieg der Preis ab 2013 wieder: 9.200 Yen (2012), 10.700 (2013), 15.200 (2016), 21.300 (2020) und bis 2023 auf 44.900 Yen.

Ein Teil dieses Anstiegs ist eine „Veränderung der Zusammensetzung“: Die billigsten Modelle wurden zuerst vom Handy verdrängt, übrig blieben die teuren Kameras, die das Handy nicht ersetzen kann, also Superzoom-Kameras, Kameras mit 1-Zoll-Sensor und Vollformat-Festbrennweiten. Die CIPA-Zahlen sind nicht nach Preisklassen aufgeschlüsselt, deshalb kann dieser Artikel nicht trennen, wie viel des Preisanstiegs von „derselben Kamera zu höherem Preis“ und wie viel vom „Verschwinden billiger Kameras“ kommt.

4. Noch ein Leben: Erholung seit 2024, zurück kommen Preise und junge Leute

Auslieferungen: zwei Jahre Wachstum in Folge, 2025 plus 29,6 %

2023 erreichten Kameras mit festem Objektiv den Tiefpunkt mit 1,72 Millionen Stück (laut CIPA-Jahresbericht 2023: 1.721.592 Stück). Danach ging es zwei Jahre in Folge aufwärts:

  • 2024 wurden 1.880.414 Kameras mit festem Objektiv ausgeliefert, 9,2 % mehr als im Vorjahr.
  • 2025 wurden 2.436.911 Kameras mit festem Objektiv ausgeliefert, 29,6 % mehr als im Vorjahr; der Auslieferungswert betrug 151,46 Milliarden Yen, 48,9 % mehr als im Vorjahr.

PetaPixel weist darauf hin, dass die Auslieferungen von Digitalkameras 2025 zum ersten Mal seit fast 20 Jahren „zwei Jahre in Folge gewachsen“ sind. 2025 wuchsen die Auslieferungen von Kameras mit festem Objektiv in allen Regionen:

  • In China stiegen die Auslieferungen von Kameras mit festem Objektiv 2025 um 50,5 % auf rund 340.000 Stück, nur knapp unter den 52,5 % der „übrigen Regionen“; Auslieferungskurve und Gebrauchtpreise in China behandelt ein eigener Artikel, Wie groß ist der CCD-Kamera-Hype in China (auf Chinesisch).
  • Asien ohne China wuchs um 37,6 %.
  • Amerika wuchs um 25,6 %, Europa um 24,8 %.
  • Japan selbst wuchs um 19,7 %.

Im Vergleich zur Spiegelreflexkamera hat sich das Verhältnis umgekehrt: 2025 wurden nur 690.911 Spiegelreflexkameras ausgeliefert, 30,7 % weniger als im Vorjahr; Kameras mit festem Objektiv kamen auf das 3,5-Fache. Fairerweise muss man sagen: Spiegellose Kameras kamen 2025 auf 6,31 Millionen Stück und damit immer noch auf das 2,6-Fache der Kameras mit festem Objektiv; weltweit bleiben Kameras mit Wechselobjektiv insgesamt der Hauptmarkt.

In Japan selbst ist die Umkehr noch deutlicher: 2025 wurden dort 525.177 Kameras mit festem Objektiv und 471.151 Kameras mit Wechselobjektiv ausgeliefert. Kameras mit festem Objektiv machten 52,7 % der Kameraauslieferungen in Japan aus und lagen damit stückzahlmäßig vor allen Kameras mit Wechselobjektiv zusammen.

CIPA-Tabelle „Production, Shipment of Digital Still Camera January-December in 2025“: Camera with Built-in Lens weltweit 2.436.911 Stück, Vorjahresvergleich 129,6 % (also +29,6 %), Japan 525.177; Camera with Interchangeable Lens Japan 471.151; Single Lens Reflex weltweit 690.911 Stück, 69,3 %; Mirrorless weltweit 6.311.054 Stück.
Die erste Tabelle des CIPA-Jahresberichts 2025, aus der alle Zahlen dieses Abschnitts stammen: Kameras mit festem Objektiv weltweit 2.436.911 Stück (Y/Y 129,6, also +29,6 %), Spiegelreflexkameras 690.911, spiegellose Kameras 6.311.054; in Japan Kameras mit festem Objektiv 525.177, Kameras mit Wechselobjektiv 471.151. In jedem Feld steht oben die Stückzahl, unten der Auslieferungswert (in tausend Yen). Bildquelle: Screenshot aus dem PDF des CIPA-Jahresberichts 2025 zu Digitalkamera-Auslieferungen (aufgenommen am 25. September 2026, nur die Bereiche Jahressumme und Kameratypen), Originaldatei

2026: Januar bis August noch 15 % im Plus

Laut der CIPA-Statistik für August, veröffentlicht am 1. Oktober 2026, wurden von Januar bis August kumuliert 1.694.289 Kameras mit festem Objektiv ausgeliefert, 15,3 % mehr als im Vorjahreszeitraum; allein im August waren es 244.822 Stück, 32,9 % mehr als im Vorjahresmonat.

Im Juli gab es einen Rückgang von 3,1 % gegenüber dem Vorjahresmonat (223.490 Stück), damals sah es so aus, als ließe der Boom nach; im August lag das Plus sofort wieder bei rund 30 %, und das kumulierte Wachstum stieg von 12,7 % (Januar bis Juli) wieder auf 15,3 %. Stand August 2026 gibt es also noch keine Anzeichen, dass die Erholung schwächer wird. Das Wachstum ist allerdings kleiner als die 29,6 % im Gesamtjahr 2025, und die Monatszahlen schwanken stark; für den Trend sollte man die kumulierten Zahlen ansehen, nicht einen einzelnen Monat.

Wer kauft: Japans Käufer in zwei Jahren ausgetauscht

Die CIPA führt eine Erhebung zu den Käufern von Digitalkameras auf dem japanischen Markt, in der die Käufer von Kameras mit festem Objektiv nach Alter aufgeschlüsselt sind:

Jahr bis 29 30–39 ab 60
2004 21 % 30 % 11 %
2018 4 % 8 % 37 %
2020 3 % 7 % 43 %
2021 11 % 16 % 32 %
2022 13 % 17 % 30 %
2023 4 % 5 % 48 %
2024 15 % 21 % 29 %
2025 17 % 22 % 27 %

Die Werte hat diese Website aus den Beschriftungen der CIPA-Grafik abgelesen; die Grafik selbst nennt weder Stichprobengröße noch Erhebungsmethode.

2023 war auf dem japanischen Markt für Kameras mit festem Objektiv fast die Hälfte (48 %) der Käufer 60 Jahre oder älter, nur 4 % waren 29 Jahre oder jünger; zwei Jahre später stieg der Anteil bis 29 Jahre auf 17 %, der Anteil ab 60 Jahren fiel auf 27 %. Das ist der härteste Primärbeleg dafür, dass „junge Leute die Kompaktkamera zurückgekauft haben“.

Liest man die ganze Tabelle, muss man den „Sprung von 4 % auf 17 %“ aber relativieren: 2021 und 2022 lag der Anteil bis 29 Jahre schon bei 11 % bis 13 %; die 4 % von 2023 wirken eher wie ein ungewöhnlicher Tiefpunkt, ein Teil des Sprungs geht auf die niedrige Basis zurück.

Noch weiter zurück, 2004, als die digitale Kompaktkamera gerade abhob, lag der Anteil bis 29 Jahre bereits bei 21 %. Dass junge Leute kleine Kameras kaufen, ist nichts Neues; die Ausnahme war eher die Zeit von 2018 bis 2023, in der „vor allem Menschen ab 60 kleine Kameras kauften“.

Gestapeltes Balkendiagramm „レンズ一体型“ (Kamera mit fest eingebautem Objektiv) aus der CIPA-Grafik „日本市場のデジタルカメラ購入者特性(年齢別構成)“, ein Balken pro Jahr von 2004 bis 2025, von unten nach oben in fünf Segmente geteilt: bis 29, 30–39, 40–49, 50–59 und ab 60 Jahre. Bis 29: 2004 21 %, 2023 4 %, 2024 15 %, 2025 17 %; ab 60: 2023 48 %, 2025 27 %. Oben rechts steht „出典:一般社団法人カメラ映像機器工業会“.
Die Originalgrafik zur Tabelle oben. Ganz unten in Rosa die Käufer bis 29 Jahre, ganz oben in Blau die ab 60 Jahre; bei den drei Balken ganz rechts für 2023 bis 2025 wächst das rosa Segment von 4 auf 17, das blaue schrumpft von 48 auf 27. Bildquelle: Screenshot aus dem PDF der CIPA-Erhebung zu Digitalkamerakäufern auf dem japanischen Markt (aufgenommen am 25. September 2026, nur Seitentitel und die Grafik „レンズ一体型“), Originaldatei

Zur selben Zeit: auch CCD-Kameras und Fotoautomaten wurden populär

In den Jahren, in denen sich die Kompaktkamera erholte, passierten im Umfeld junger Leute noch zwei Dinge gleichzeitig:

  • Kleine CCD-Kameras aus den 2000er-Jahren wurden vom Gebrauchtmarkt zurückgeholt. Laut einem Bericht von Xinhuanet vom Dezember 2024 kamen CCD-Themen auf der chinesischen Plattform Xiaohongshu auf insgesamt 4,04 Milliarden Aufrufe und 1,65 Millionen Beiträge, und auf der Gebrauchtplattform Xianyu wurden in den letzten 7 Tagen mehr als 3.000 Geräte verkauft. Auch diese Kameras sind meist digitale Kompaktkameras, nur eben gebraucht; wie man echte von falschen CCD-Kameras unterscheidet und welche Modelle sich lohnen, steht in Was ist eine CCD-Kamera.
  • In Taiwan eröffneten koreanische Fotoautomaten in großer Zahl. Unter den zehn meistgesuchten Begriffen des Jahres 2023 in Taiwan, die das taiwanische Wirtschaftsmagazin CommonWealth (天下雜誌) veröffentlichte, lag der koreanische Fotoautomat auf Platz 1; diese Website hatte schon 2022 bemerkt, dass das Google-Suchinteresse nach „Fotoautomat“ (拍貼機) in Taiwan von 2020 bis Juni 2022 auf fast das Fünffache gestiegen war (die damalige Beobachtung (auf Chinesisch)).

Gemeinsam ist den drei Entwicklungen, dass junge Leute bereit sind, für „Fotos, die das Handy nicht macht“, Geld auszugeben: körnige oder farbstichige Bilder, ein ausgedrucktes Foto zum Anfassen, ein Moment, der nur dem Fotografieren gewidmet ist. Die Erholung der Kompaktkamera ist Teil dieser Welle und kein isoliertes Ereignis; deshalb sind es diesmal junge Käufer, die zurückkommen, und nicht die Leute von damals, die sie für Familienurlaube gekauft hatten.

2 % der Menge, fast der siebenfache Preis

Menge und Preis der Erholungsphase nebeneinander:

  • Auslieferungen: 2025 kamen Kameras mit festem Objektiv auf 2,437 Millionen Stück, 2,2 % des Höchststands von 2008. Digital Camera World rechnet mit 2010 als Glanzjahr und kommt auf 2,24 %; andere Abgrenzung, gleiches Ergebnis.
  • Durchschnittlicher Auslieferungspreis: 2025 lag er bei 62.200 Yen, dem 6,8-Fachen des Tiefstands von 9.200 Yen in den Jahren 2011 bis 2012 und auch über den 44.800 Yen von 1999, als die Digitalkamera gerade startete.
  • Auslieferungswert: 2025 waren es 151,46 Milliarden Yen, 9 % des Werts von 2008 (1.638,7 Milliarden Yen), aber schon wieder 80 % des Werts von 2016 (190,7 Milliarden Yen).

Anders gesagt: Die Hersteller verkaufen nur noch rund ein Fünfundvierzigstel der Stückzahl der Glanzzeit, nehmen aber rund ein Elftel des damaligen Umsatzes ein. Für die Kamerafirmen ist das ein Geschäft mit kleinen Mengen und hohen Preisen, keine Rückkehr in die Vergangenheit.

Neue Modelle und Lieferengpässe: Belege dafür, dass die Hersteller wieder darauf setzen

Das deutlichste Signal der Erholung ist, dass große Hersteller wieder neue kleine Kameras bringen und mehrere davon nicht lieferbar sind:

  • Die Canon PowerShot G7 X Mark III kam 2019 auf den Markt, US-Einführungspreis 749,99 US-Dollar; 2024, fünf Jahre nach dem Start, wurde sie plötzlich zum Hit und war wegen Bauteilmangels ausverkauft. Canon nahm im August 2025 in Japan wieder Bestellungen an und begann im September, aufgestaute Aufträge abzuarbeiten. Der aktuelle Neupreis in den USA liegt bei 879 US-Dollar; im August 2026 verlangten US-Gebrauchthändler noch 1.500 US-Dollar oder mehr, rund das 1,7-Fache des aktuellen Neupreises und das Doppelte des Einführungspreises.
  • Die Fujifilm X100VI kam im März 2024 für 1.599 US-Dollar auf den Markt. Laut Reuters verdoppelte Fujifilm die Produktion gegenüber der ersten Auflage, und es reichte trotzdem nicht; die Imaging-Sparte stand im Geschäftsjahr 2023 für 37 % des operativen Gewinns von Fujifilm, im Jahr davor für 27 %.
  • Die Ricoh GR III wurde im Juli 2025 wegen schwer erhältlicher Bauteile eingestellt; die Nachfolgerin GR IV wurde am 20. August 2025 vorgestellt, Preis 1.499,95 US-Dollar.
  • Die Fujifilm X half wurde am 22. Mai 2025 vorgestellt, mit hochkant ausgerichtetem 1-Zoll-Sensor, US-Einführungspreis 849 US-Dollar.
  • In der japanischen BCN-Rangliste der kompakten Digitalkamera-Serien 2025 lag die Kodak PixPro FZ55 auf Platz 1, und Kodak hatte 4 der zehn ersten Plätze. Dieses Kodak ist allerdings eine Marke, die JK Imaging in den USA in Lizenz nutzt, und die FZ55 hat einen CMOS-Sensor, keinen CCD.

Auch bei analogen Kompaktkameras gibt es neue Modelle, was in den 2010er-Jahren kaum vorstellbar war:

  • Die Kodak Ektar H35 der Hongkonger Firma Reto Project, die die Marke Kodak in Lizenz nutzt, war ab Mai 2022 vorbestellbar, eine Halbformatkamera für 49,99 US-Dollar; 2023 kam die verbesserte H35N für 64,99 US-Dollar.
  • Die Pentax 17 wurde am 17. Juni 2024 vorgestellt, eine Halbformatkamera für 499,95 US-Dollar, beschrieben als erste komplett neu entwickelte Filmkamera eines großen Herstellers seit fast 20 Jahren; im ersten Jahr nach dem Start war sie oft nicht zu bekommen.
  • Die Rollei 35AF von MiNT war ab September 2024 für 799 US-Dollar vorbestellbar und nutzt LiDAR-Autofokus.
  • Die Kodak Snapic A1 wurde im Dezember 2025 für 99 US-Dollar ausgeliefert.
Vorderansicht der Pentax 17: Halbformat-Filmkamera mit silberner Deckkappe und schwarzem, belederten Gehäuse, auf dem Objektivring steht HD Pentax Lens HF 1:3.5 25mm; sie steht auf einem Holztisch und hat eine schwarze Handschlaufe.
Die Pentax 17, im Juni 2024 vorgestellt, ist eine analoge Halbformat-Kompaktkamera mit 25-mm-f/3,5-Objektiv und wird als erste komplett neu entwickelte Filmkamera eines großen Herstellers seit fast 20 Jahren beschrieben. Das Foto entstand im Oktober 2024. Bildquelle: MIKI Yoshihito, CC BY 2.0, Original.
Produktseite der PENTAX 17 auf der US-Website von Ricoh Imaging: große Überschrift PENTAX 17, Slogan „It’s Time for Film!“, die Beschreibung erklärt, dass die PENTAX 17 eine Halbformatkamera ist, die auf ein 35-mm-Filmbild (36 mm x 24 mm) zwei Hochformatbilder von 17 mm x 24 mm aufnimmt, darunter der Preis von $499.95.
Die US-Website von Ricoh Imaging verkauft die Pentax 17 bis heute für 499,95 US-Dollar und positioniert sie als Halbformat-Filmkamera: Auf ein 35-mm-Filmbild kommen zwei Hochformatbilder von 17 × 24 mm. Bildquelle: Screenshot der Produktseite PENTAX 17 auf der US-Website von Ricoh Imaging (aufgenommen am 25. September 2026, nur Modellname, erster Absatz der Beschreibung und Preis), Originalseite

Auch die Gebrauchtpreise der hochwertigen analogen Kompaktkameras aus den 1990er-Jahren hoben im selben Zeitraum ab. Die Contax T2 kostete um 2015 rund 170 US-Dollar, 2018 wurde über eine Verzehnfachung berichtet; ein New Yorker Gebrauchtkamerahändler schrieb 2026 in einem Artikel, ein überholtes Gehäuse koste rund 2.000 US-Dollar (das ist der eigene Artikel eines Händlers, mit Eigeninteresse). Die Olympus mju-II kostete 2013 rund 40 US-Dollar, 2020 rund 200 US-Dollar. Die koreanische Zeitung JoongAng Ilbo berichtete im September 2026, dass Sakura, Mitglied von LE SSERAFIM, eine Contax T3 in Titan für 544.000 Yen gekauft hat; der japanische Listenpreis lag 2001 bei 98.000 Yen.

Schrägansicht der Contax T2: kleine Filmkamera mit titanfarbenem Gehäuse und schwarzem Griff, auf dem Objektivring steht Carl Zeiss Sonnar 2.8/38 T*, vorne rechts unten am Gehäuse CONTAX und Carl Zeiss Sonnar 2.8/38; sie liegt auf einer hellen Tischplatte, links unten ist eine schwarze Handschlaufe zu sehen.
Die Contax T2 kam 1990 oder 1991 als hochwertige analoge Kompaktkamera auf den Markt, mit Titangehäuse und Carl-Zeiss-Sonnar-38-mm-f/2,8-Objektiv; 2002 wurde sie eingestellt, heute gehört sie zu den teuersten analogen Kompaktkameras auf dem Gebrauchtmarkt. Das Foto entstand im Dezember 2006. Bildquelle: Gisling, CC BY-SA 3.0, Original.
Vorderansicht der Olympus mju-II: silbernes, stromlinienförmiges Kapselgehäuse, die Schiebeabdeckung ist geöffnet und gibt das Objektiv mit der Aufschrift Olympus Lens 35mm 1:2.8 frei, rechts oben ein blaues All-Weather-Logo für Spritzwasserschutz; die Kamera liegt auf einer Tastatur.
Die Olympus mju-II (in den USA Stylus Epic) kam 1997 auf den Markt, mit 35-mm-f/2,8-Festbrennweite, rund 3,8 Millionen Stück wurden gefertigt; ihr Gebrauchtpreis stieg von rund 40 US-Dollar im Jahr 2013 auf rund 200 US-Dollar im Jahr 2020, sie ist das typische Modell dieser Preiswelle bei analogen Kompaktkameras. Bildquelle: Ashley Pomeroy, CC BY-SA 4.0, Original.

5. Fazit: Diesmal kommt nicht die „Menge“ zurück, sondern „Preis“ und „Zielgruppe“

Verbindet man die Jahre 1977 bis 2026, sieht die Kurve der Kompaktkamera so aus:

  1. 1977 bis 1997 eroberte die analoge Kompaktkamera dank Autofokus neun Zehntel des Filmkameramarkts, die Menge erreichte 32,52 Millionen Stück, der Preis fiel auf 8.100 Yen.
  2. 1997 bis 2006 ersetzte die Digitalkamera den Film, die analoge Kompaktkamera fiel in neun Jahren um 96 %, das war der erste Tod; 2002 überholten digitale Kameras mit festem Objektiv die analogen Kompaktkameras.
  3. 1999 bis 2008 wuchs die digitale Kompaktkamera auf 110,07 Millionen Stück, der durchschnittliche Auslieferungspreis fiel von 44.800 auf 14.900 Yen.
  4. 2008 bis 2023 nahm das Smartphone die Nachfrage nach dem „schnellen Schnappschuss“ weg, die digitale Kompaktkamera verlor 98 %, das war der zweite Tod.
  5. Ab 2024 erholten sich Kameras mit festem Objektiv zwei Jahre in Folge, 2025 auf 2,44 Millionen Stück, 29,6 % mehr als im Vorjahr; von Januar bis August 2026 lag das kumulierte Plus noch bei 15,3 %.

Das dritte Leben ist völlig anders als die ersten beiden. Damals war die Kompaktkamera ein Werkzeug, das „jeder hatte“, verkauft wurde Bequemlichkeit; diesmal verkauft sie, was das Handy nicht bieten kann: eine bestimmte Bildanmutung, ein Objekt, das nur zum Fotografieren da ist. Die Käufer sind nicht mehr Menschen ab 60, sondern junge Leute in den Zwanzigern. Die Menge liegt bei 2 % der Glanzzeit, der Preis beim Siebenfachen des Tiefstands, und der Auslieferungswert hat wieder rund ein Zehntel der Glanzzeit erreicht. Die Kompaktkamera kehrt also nicht in die Vergangenheit „zurück“, sie überlebt in neuer Rolle: vom Massenprodukt zum Stilprodukt mit kleinen Mengen und hohen Preisen.

Diese Rolle bestimmt auch ihr Risiko. Ein Markt, den ein Trend trägt, schwankt stärker als ein Massenmarkt: Im Juli 2026 gab es einen Monat mit Minus, im August lag das Plus wieder bei rund 30 %; die Lieferengpässe neuer Modelle kommen meist von Bauteilmangel und von Herstellern, die sich nicht trauen, die Produktion stark auszuweiten, nicht von grenzenloser Nachfrage. Wer sich eine Kompaktkamera zulegen will, sollte sich zuerst klarmachen, welche Art er sucht:

  • Wer den „CCD-Look“ mit kleinem Budget will, landet vor allem bei gebrauchten kleinen Kameras aus den 2000er-Jahren; die Gebrauchtpreise schwanken stark, und bei Akkus und Speicherkarten gibt es Lücken. Worauf man beim Kauf achten sollte und was sie kosten, steht in Was ist eine CCD-Kamera und wie kauft man gebraucht.
  • Wer Konzerte und Fan-Events fotografieren will, braucht Telebrennweite und hohe Lichtempfindlichkeit; dafür ist die Kompaktkamera nicht die Antwort. Wie man Kamera und Objektiv wählt, steht im Ratgeber zu Kameras und Objektiven für Fans (auf Chinesisch).
  • Wer Film will, für den sind Versorgung und Preis des Films selbst die langfristigen Kosten; den Stand der Lieferkette beschreibt Wer stellt noch Film her.

Weiterlesen

Anhang 1: Was ich nicht herausfinden konnte

Diese Fragen habe ich recherchiert, aber keine verlässliche Antwort gefunden; deshalb stehen sie nicht im Text und werden auch nicht durch Schätzungen ersetzt:

  • Der japanische Einführungspreis der Konica C35 AF: In einer Suchergebnis-Zusammenfassung tauchen 44.800 Yen auf, die Originalseite ließ sich aber nicht öffnen und prüfen, deshalb nennt dieser Artikel ihn nicht.
  • Das genaue Erscheinungsjahr der Contax T2: camera-wiki nennt 1991, eine andere Quelle 1990; dieser Artikel schreibt „1990 oder 1991“.
  • Stichprobengröße und Methode der CIPA-Erhebung zu Käufern in Japan, und warum der Anteil bis 29 Jahre 2023 so niedrig war.
  • Wie viel der CIPA-Auslieferungen von Kameras mit festem Objektiv auf Kompaktkameras im Sinne von point-and-shoot und wie viel auf hochwertige Modelle (Superzoom, 1 Zoll, Vollformat) entfällt; deshalb lässt sich nicht trennen, wie viel des Preisanstiegs aus teureren Einzelgeräten und wie viel aus dem Verschwinden billiger Modelle kommt.
  • Die gerüchteweise für September 2026 erwartete neue, auf Fotografie ausgerichtete PowerShot von Canon: Bei der Abfrage am 25. September 2026 war keine offizielle Ankündigung zu finden.
  • Zahlen außerhalb der CIPA-Statistik: Sofortbildkameras und Sofortbildfilm sowie Einwegkameras gehören zu keiner CIPA-Statistikkategorie; die CIPA-Auslieferungsstatistik für kleine Fotodrucker (bis A4) reicht nur bis 2013 und wurde ab 2014 eingestellt, deshalb kann dieser Artikel mit CIPA-Zahlen nichts zur aktuellen Lage von Fotoautomaten und Fotodruck sagen. Zahlen zu Sofortbildkameras stehen in den Geschäftsberichten von Fujifilm (zusammengefasst in Die Geschichte der Sofortbildkamera), zu Thermosublimations-Fotodruckern in öffentlichen Angaben von Herstellern wie DNP und Citizen.

Anhang 2: Quellen

Bildquellen

Alle Fotos in diesem Artikel stammen aus frei lizenzierten Dateien von Wikimedia Commons und sind gemäß der jeweiligen Lizenz unten angegeben; das Titelbild ist das Foto der Konica C35 AF, links und rechts ergänzt und auf 16:9 beschnitten. Dazu kommen 5 Screenshots von offiziellen Seiten und Statistiken als Belege für Zitate im Text, aufgeführt nach den Fotos; das Liniendiagramm am Anfang hat diese Website selbst auf Basis der CIPA-Statistik erstellt.

Schlagwörter dieses Artikels: Kompaktkamera, was ist eine Kompaktkamera, Point-and-Shoot, Point-and-Shoot auf Deutsch, Knipse, analoge Kompaktkamera, digitale Kompaktkamera, CIPA-Auslieferungsstatistik, Digitalkamera Auslieferungen, Geschichte der Kompaktkamera

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Kompaktkamera (Point-and-Shoot)?

Eine Kompaktkamera ist eine kleine Kamera mit Autofokus, Belichtungsautomatik und eingebautem Blitz, mit der man einfach abdrückt. Blende, Verschlusszeit und Schärfe muss man nicht selbst einstellen. Auf Englisch heißt sie point-and-shoot oder compact camera, in Japan offiziell コンパクトカメラ, in Hongkong meist „傻瓜機“. Es gibt sie als Film- und als Digitalkamera.

Wie heißt die Kompaktkamera auf Englisch und auf Deutsch?

Auf Englisch sagt man meist point-and-shoot camera (zielen und abdrücken), auch compact camera. Briten meinen mit point-and-shoot eher die Vollautomatik, Amerikaner eher das kleine Gehäuse. Auf Deutsch ist Kompaktkamera die übliche Bezeichnung; das umgangssprachliche Knipse kommt von knipsen, wird im Wörterbuch aber als allgemeines Wort für Kamera geführt, nicht speziell für kleine Kameras. Auf Japanisch heißt sie コンパクトカメラ, die digitale Version kurz コンデジ; auf Koreanisch umgangssprachlich 똑딱이, auf Russisch umgangssprachlich мыльница (Seifendose), und in Festlandchina nennt man kleine Digitalkameras 卡片機 (Kartenkamera).

Was unterscheidet eine Kompaktkamera von einer Einwegkamera und einer Sofortbildkamera?

Eine Kompaktkamera benutzt man immer wieder: In die Filmversion legt man selbst Filme ein und lässt sie entwickeln, die Digitalversion speichert die Bilder als Dateien. Eine Einwegkamera wird samt Film verkauft und nach dem Fotografieren komplett beim Fotolabor abgegeben. Eine Sofortbildkamera gibt direkt nach dem Auslösen ein Papierbild aus, ohne Entwicklung im Labor.

In welchem Jahr wurden die meisten Kompaktkameras verkauft?

Hier muss man zwei Linien trennen. Laut der Camera & Imaging Products Association (CIPA), dem Branchenverband der japanischen Kamerahersteller, wurden analoge Kompaktkameras (Kameras mit Zentralverschluss) 1997 am meisten ausgeliefert, nämlich 32,52 Millionen Stück; bei digitalen Kompaktkameras (Kameras mit fest eingebautem Objektiv) war es 2008 mit 110,07 Millionen Stück. Das oft genannte „Glanzjahr 2010“ bezieht sich auf alle Digitalkameras zusammen, nicht auf Kompaktkameras.

Hat das Smartphone die digitale Kompaktkamera verdrängt?

Der Zeitpunkt passt, aber man muss genau hinsehen. In ihrer Pressemitteilung von 2012 führte die CIPA den Rückgang 2011 auf das Große Ostjapanische Erdbeben und die Überschwemmungen in Thailand zurück und erwähnte Smartphones nicht; erst ab 2014 schrieb sie, dass Einsteigermodelle mit Smartphones konkurrieren. Die US-Statistik von NPD zeigt dagegen, dass 2011 der Anteil der mit dem Handy aufgenommenen Fotos von 17 % auf 27 % stieg und der Anteil der mit Kompaktkameras aufgenommenen von 52 % auf 44 % fiel.

Sind Kompaktkameras wieder im Trend?

Die Auslieferungen sind tatsächlich gestiegen. Laut CIPA lagen Digitalkameras mit fest eingebautem Objektiv 2023 am Tiefpunkt bei 1,72 Millionen Stück, 2024 kamen 9,2 % hinzu, 2025 weitere 29,6 % auf 2,44 Millionen; das sind aber nur 2,2 % des Höchststands von 2008. Zurückgekommen sind vor allem höhere Preise und junge Käufer: Der durchschnittliche Auslieferungspreis stieg von 9.200 Yen im Jahr 2011 auf 62.200 Yen im Jahr 2025, und der Anteil der Käufer bis 29 Jahre in Japan stieg von 4 % im Jahr 2023 auf 17 % im Jahr 2025. Von Januar bis August 2026 lag das kumulierte Plus noch bei 15,3 %; nach einem Minus von 3,1 % im Juli folgte im August ein Plus von 32,9 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Warum sagt man in Japan nicht mehr バカチョンカメラ?

バカチョンカメラ war eine frühe japanische Umgangsbezeichnung für die Kompaktkamera. Der Bestandteil „チョン“ gilt als abwertende Bezeichnung für Koreaner; das ganze Wort wurde deshalb als im Rundfunk nicht zu verwendendes Wort eingestuft, und die 7. Auflage des Sanseido-Wörterbuchs der japanischen Sprache (2011) hat den Eintrag gestrichen. Offiziell sagt man heute コンパクトカメラ.

Quellen: Das chinesische Original erschien erstmals am 25. September 2026 (Taipeh) und wurde am 27. und 28. Oktober 2026 überarbeitet. Die Auslieferungszahlen reichen bis zur CIPA-Statistik für August 2026 (veröffentlicht am 1. Oktober 2026).

Dieser Artikel ist eine lokalisierte Fassung des Originals auf joelin.cc in traditionellem Chinesisch. Maßgeblich ist das chinesische Original. Chinesisches Original